Ketfel Geschichte

 

 

Geschichte

 

Am Rande der Banater Heide liegen die beiden Orte Ketfel und Kleinsiedel, die im Laufe der Zeit zusammengewachsen sind, seit der Gemeindereform 1968 den Namen Gelu tragen (Ketfel erhielt diesen Namen schon 1926) und zu Warjasch gehören.

Ketfel und Kleinsiedel liegen etwa 35 km nördlich von Temeschburg an der Bahnlinie, die Temeschburg mit Perjamosch verbindet. Benachbart sind sie von Monostor im Osten, Warjasch im Westen, Baratzhausen und Knees im Süden und Kleinsanktpeter im Norden.

Bedingt durch die günstige geographische Lage im Herzen des Banats, inmitten der saftigen Weiden, durchzogen von wasserreichen Sümpfen, die von zwei Quellen gespeist werden und unweit der viel befahrenen Straße Szegedin – Budapest – Wien, lebten auf dem Gebiete des heutigen Ketfel schon im Mittelalter Viehzüchter.

In der päpstlichen Registern von 1454-1465 erscheint Ketfel unter dem Namen „Ketfüli“ als Besitz des ungarischen Grafen Tari. Der Name kommt aus dem Ungarischen und bedeutet soviel wie zwei Hälften (ket - 2, fel - Halbe). Man weiß nicht genau, ob der Name sich auf die Teilung des Ortes durch den Bach bezieht oder auf die Teilung des Ortes an zwei verschiedene Lehnsherren.

Archäologische Funde beweisen jedoch, dass auf diesem Gebiet schon viel früher Menschen lebten. Die Siedlungen wurden des öfteren durch Raub- und Kriegsüberfälle zerstört und manchmal an einer anderen Stelle neu angelegt. So nimmt man z.B. an, dass der Ort Ketfeltöl im Tal des Sikszö, etwa 1 km südlich vom heutigen Ketfel lag. Man vermutet, dass einige der Viehzüchter, die hier lebten, regen Handel mit Siebenbürgen, Böhmen, Walachei und Serbien betreiben haben und es dadurch zu einem kleineren oder größeren Wohlstand gebracht haben. Dies beweisen die bei landwirtschaftlichen Tiefackerungen zu Tage geförderten Tongefäße mit Kupfer- und Silbermünzen und Schmuckgegenständen. Die Prägung dieser Münzen erstreckt sich über eine Zeitspanne von etwa 2.5 Jahrhunderten, 15.-17. Jahrhundert und sie stammen aus den oben genannten Gebieten.

Wenn man die politische Lage Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts mit er Zeit, in der die letzten Münzen geprägt wurden, vergleicht, kann man annehmen, dass diese Schätze auf der Flucht vor den Türken vergraben wurden und dass die Eigentümer oder ihre Nachkommen nicht mehr in diese Gegend zurückgekehrt sind.

Die Aufzeichnungen aus den späteren Jahrhunderten sind sehr spärlich.

Wie und wann die serbische Bevölkerung nach Ketfel gekommen ist, lässt sich nicht klar nachweisen. Man vermutet, dass sich schon im 15. Jahrhundert einige Familien hier niedergelassen haben und dass in den folgenden Jahrhunderten immer neue serbische Siedler dazugekommen sind. Sicher ist aber, dass 1666 schon eine Kirche mit einem Pfarrer vorhanden war.

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich in Ketfel vereinzelt auch deutsche Siedler in den vermutlich von den Serben aufgegebenen oder verkauften Häusern niedergelassen, was aus den Kirchenbüchern von Knees und Warjasch ersichtlich ist. Die Zahl der Deutschen hat nach der Gründung von Kleinsiedel auch in Ketfel stark zugenommen. So wurden die Häuser in zwei Gassen fast vollständig von Deutschen aufgekauft und sie legten sich sogar einen eigenen Friedhof an.

Kleinsiedel gehört zu den 19 Tabakgärtnergemeinden, die in den Jahren 1840-1848 entstanden sind. Am 3. Oktober 1843 haben 20 deutsche Familien aus Warjasch, Perjamosch und teils auch aus Ketfel und anderen Orten, dem Aufruf der Ungarischen Hofkammer folgend, den Pachtsiedlungskontrakt unterzeichnet, wonach sie als so genannte Tabakgärtner den östlich von Ketfel geplanten neuen Ort „Kistelep“ (Kleinsiedel) gründeten.

Obwohl die neu gegründeten Tabakkolonien aus mindestens 30 Häusern bestehen sollten und auch Kistelep, wie aus dem Plan aus dem Jahre 1844 ersichtlich ist, für 43 Familien vorgesehen war, beschränkte sich die Zahl der ersten Ansiedler auf 20, da die Ketfeler herrschaftlichen Überlande, auf denen die Kolonie angelegt wurde, im Jahre 1843 für nicht mehr Familien Raum bieten konnte. Erst zwei Jahre später, 1845, als die an Ketfel grenzenden Felder an die Szant – Andraser Kameralherrschaft fielen, konnte die Zahl der Siedlerfamilien auf die vorgesehenen 43 Familien aufgestockt werden. So entstand das heutige Ortsbild mit seinen 2 Fassen, der Altgasse und der Neugasse.

Durch den auf eine Zeitspanne von 20 Jahren abgeschlossenen Vertrag, erhielt jede Familie neben einer Hofstelle von 1 Joch, 12 Joch Ackerfeld, von dem ein Drittel der Fläche Jahr für Jahr mit Tabak bepflanzt werden musste, 2 Joch Gärten und 1 Joch Wiesen.

Die Bedingungen des Vertrages waren hart. So war es jedem Pächter freigestellt, auf eigene Kosten auf der Hofstelle ein Wohnhaus, Stallungen und Nebengebäude, sowie Brunnen und Zäune zu errichten. Sollte es nach Ablauf des Pachtvertrages zu keinem neuen Vertrag kommen oder sich kein neuer Pächter finden, der die Hofstelle übernimmt, so mussten alle Gebäude, Zäune und Bäume beseitigt werden, um den ursprünglichen Zustand der Ackerfläche wiederherzustellen. Für den Pachtzins von 4 Forint pro Joch haftete die Dorfgemeinschaft, das heißt, wenn einer der Mitglieder nur einen Teil seiner Pachtschuld aufbringen konnte, musste der Rest von der Gemeinschaft bezahlt werden. Jedes Mitglied lieferte seinen Zins an die Pflanzergemeinschaft und deren Vertreter zahlte in zwei Raten, am 1.Mai und am 1.Oktober den Pachtzins in Silbergeld in die königlich-kameralherrschaftliche Kasse in Szant-Andrasi ein. Bei Versäumnix wurde ab dem 15.Tag zur schuldig gebliebenen Summe ein Aufschlag von 6% Zinsen angerechnet.

Die Hälfte der Tabakernte musste unentgeltlich der Kameralherrschaft überlassen werden und für die andere Hälfte behielt sich die Kameralherrschaft das Vorkaufsrecht. Der Pächter war verpflichtet, der Kameralherrschaft Angaben über das Verkaufsvorhaben seines Teiles an Tabak zu machen und erst nach Freigabe durch die Kameralherrschaft konnte er den Tabak veräußern.

Die Siedler, die sich in dem neuen Ort und von dem neuen Wirtschaftszweig eine bessere Zukunft erhofften, erlitten schon in den ersten Jahren herbe Enttäuschungen. Missernten und der Zwang des 4-Joch Tabakbaus, der den Ansiedlern kaum Gewinn einbrachte, sondern nur eine Belastung, eine mühevolle und zeitraubende Arbeit war, führten schon bald dazu, dass die Siedlergemeinschaft den fälligen Pachtzins nicht mehr bezahlen konnte. Im Jahre 1847 nämlich wurden die Tabakgärtner aus Kistelep von Baron Abroszy, dem damaligen Kommissar für Tabakkolonisierungsangelegenheiten wegen des fälligen Pachtzinses verklagt. Nach einem langwierigen Prozess sah sich der Staat, um die Kolonie aufrecht zu erhalten, gezwungen, die Tabakanbaufläche von vier auf drei Joch zu reduzieren und den rückständigen Pachtzins von den nächsten zu erwartenden Ernten einzutreiben.

Obzwar die Gemeinschaft für die Schulden haftete und nicht der einzelne Pächter, gab es Mitglieder, die aus der schweren Lage keinen Ausweg sahen und die Gemeinschaft verließen. An ihre Stelle kamen andere, die in den Pachtvertrag einstiegen.

Der größte Teil der Ansiedler jedoch, konnte durch harte Arbeit und sparsames Leben die schweren Jahre überstehen und nach Ablauf des 20-jährigen Vertrages die Kaufsumme bar bezahlen konnte, wurde das Ablösmodell eingeführt. An Stelle des Pachtzinses trat nun der Ablös, der individuell von jedem aufgebracht werden musste. Die Gemeinschaft verlor ihre Haftpflicht und so stand jedem der Weg frei unabhängig vorwärts zu kommen.

Aber auch in den folgenden Jahren mussten die Kleinsiedler viele Rückschläge in Kauf nehmen. Die Schuldenlast war so groß, dass in den 80er Jahren die Banken eine Umschuldung vornehmen mussten, wobei die ausstehenden Zinsen dem Kapital zugeschlagen wurden, die Ablöszeit verlängert und die Ablösrate verkleinert wurde.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben bessere Arbeitsgeräte und der Übergang von Halm- zu Hackfrüchten dazu geführt, dass die Ernten immer ertragreicher wurden und der Viehbestand sich vergrößert hat. Durch den Anschluss des Ortes 1907 an das Eisenbahnnetz sind die Absatzmöglichkeiten gestiegen, was zu einem bescheidenen Aufschwung führte und den Kleinsiedlern die Unabhängigkeit brachte.

Den ersten öffentlichen Bau, den die Tabakgärtnergemeinschaft durchführte, war 1846 das Rathaus. Es diente als Verwaltungszentrum für Kleinsiedel bis 1944. Danach wurde es zweckentfremdet bis zum Abbruch 1960 verwendet.

Wegen den großen Anfangsschwierigkeiten konnten die Kleinsiedler erst 1852 ein Behaus erreichten und 1907 eine Kirche bauen, die dem Heiligen Martin geweiht wurde. Seit 1862 gehört Kleinsiedel zur Pfarrei Kleinsanktpeter.

1864 gründeten die Kleinsiedler eine konfessionelle Schule, die 1902 verstaatlicht wurde. 1905 wurde ein neues Schulhaus gebaut, in dem der Unterricht bis 1944 stattfand.

In Ketfel wurde 1880 eine deutsche Schule gegründet. Bis zum Bau des Schulhauses fand der Unterricht in einem angemieteten Raum eines Wirtshauses statt. 1927 wurde die Schule verstaatlicht und 1944 gänzlich aufgelöst.

Durch die Schulreform von 1948 wurde für beide Orte wieder eine deutsche 4–Klassen-Schule eröffnet, der die Gemeinde ein Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung in einem Wohnhaus zugewiesen hat. Für die 5.Klasse und alle weiteren Schuljahre gab es im Ort keine Schule mit deutscher Unterrichtssprache. Viele der Kinder besuchten die deutschen Schulen in den Nachbarorten Warjasch, Perjamosch oder in Temeschburg, was natürlich für die Eltern mit viel Geld verbunden war. Nachdem das Kleinsiedler Schulhaus durch den Umzug der rumänischen Schule frei wurde, konnte der Unterricht dort wieder bis zum Jahre 1978 stattfinden. Ab dieser Zeit mussten die Kinder nach Ketfel in das 1968 neu erbaute Schulhaus umsiedeln. Der Unterricht in deutscher Sprache wurde 1984 eingestellt.

Das Vereinsleben führte die Ketfeler und Kleinsiedler eng zusammen. Rege Tätigkeit entfaltete der Bauernverein, der Katholische Jugendverein, der Sportverein, der Frauenverein und der Kirchenchor. Die Vereine konnten, wie allgemein bekannt, ihre Aktivitäten bis 1944 durchführen, wonach sie verboten und aufgelöst wurden.

Die geschichtlichen Ereignisse in der 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts hinterließen auch in Ketfel- Kleinsiedel ihre Spuren. Der 1.Weltkrieg forderte 15 Opfer, aus dem 2.Weltkrieg kehrten 23 junge Männer nicht mehr zurück und von den 87 nach Russland Deportierten starben 22.

Die Ereignisse nach dem 23.August 1944 führten zu großen Veränderungen auch in Ketfel und Kleinsiedel. Verhaftungen, Plünderungen, Entrechtung, Deportation, Diskriminierung und Enteignung führten dazu, das sich bei vielen die Beziehung zur Heimat veränderte. Durch die Enteignung der Wohnhäuser und landwirtschaftlichen Betriebe wurde die einzige Erwerbsquelle zu Grunde gerichtet. Es begann ein Umdenken, ein Suchen nach neuen Erwerbsquellen. Der größte Teil der Jugendlichen verließ den Heimtort, um in Temeschburg eine weiterführende allgemeine Schule oder eine Berufsschule zu besuchen. Viele junge Frauen und Männer fanden Arbeit in den Fabriken. Durch diesen Wandel ist eine große Änderung im gesellschaftlichen Leben der Orte eingetreten.

Das Jahr 1951 führte erneut vielen unserer Landsleute einen schweren Schicksalsschlag zu. Neben vielen serbischen Familien waren es auch 22 deutsche Familien, die in den Baragan deportiert wurden.

Nach der Aufnahme der enteigneten Deutschen in die LPG haben vor allem ältere Menschen im Heimtort eine Erwerbsmöglichkeit gefunden. Da die Hausgärten in Kleinsiedel sehr groß waren, haben viele Familien im Nebenerwerb Gemüse gepflanzt, was zur Verbesserung des Einkommens geführt hat.

Das Pendeln zur Arbeitsstelle nahm viel Zeit in Anspruch, deshalb haben meist junge Familien den Ort verlassen und sich in der Stadt eine neue Bleibe gesucht.

Die Zersetzung der Dorfgemeinschaft ging nun stetig weiter. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre verließen fast alle deutsche Familien ihren Heimatort und siedelten in die Bundesrepublik aus. Die frei gewordenen Häuser wurden vom Staat übernommen und den neu zugezogenen rumänischen Familien zugeteilt. Einige Wohnhäuser sind bereits dem Zerfall preisgegeben. Es leben heute in Gelu noch etwa 15 Deutsche.

Hilde Bücher geb.Weber